Das Problem mit Pausen

Die Welt ist mir zu schnell oder ich bin zu alt oder zu spät geboren worden. ^_^*
Oder ich bin einfach eine dieser Klischee-30+Jährigen, die durch die Medien spuken und  schleichen und viel sagen und tun ohne was zu sagen und zu tun oder so. ;-) I FEEL YA!

Jedenfalls scheint es viel zu wenig Pausen zu geben. Oder viel zu viel zu tun.
Ein Universum voller Möglichkeiten wartet darauf entdeckt und erobert zu werden und die schiere Übermacht an tollen, spannenden, herausfordernden, interessanten, lustigen, cleveren, sinnlichen, bunten…. Angeboten lässt mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht erstarren. Pure Atemlosigkeit zwingt mich zum Innehalten. Bevor ich irgendetwas ausgesucht, mich für irgendetwas entschieden habe, bin ich schon überfordert und gelähmt.

 

Ich glaube wenn du alles werden kannst, hast du Angst etwas zu verlieren, wenn du was machst. – Flo in “Wir sind schon mittendrin”

 

Dann lockt mich eigentlich nur noch meine stille, erdig braune, gemütliche Höhle mit Lieblingsliedern, Tee und einem Buch (so ich mich für eines entscheiden konnte natürlich). Im Hinterkopf ein ständiges Aufschrecken wenn die verstreichenden Sekunden mir höhnisch aufzählen welche Gelegenheiten ich gerade verpasse. Tack. Tack. TACK!

Habe ich dieses Gemurmel mehr oder weniger erfolgreich verdrängt, wähne ich mich – auf der faulen Haut liegend – völlig unproduktiv und von meiner Umwelt dadurch als minderwertiges Mitglied der Gesellschaft beäugtes Wesen, dass sich ungehöriger Weise wieder einmal quer stellt und sich von der Tretmühle abwendet. Oder ist das Neid?

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen weil ich lieber Zeit mit meiner Tochter verbringe als irgendeinen Sackgassen-Minijob anzunehmen der kaum bis gar nicht die Kosten der Kinderbetreuung deckte. Ich habe ein schlechtes Gewissen wenn ich leiber mal keine Zeit mit meiner Tochter verbinge sondern bloß allein rumhängen will. Ich hab ein schlechtes Gewissen wenn ich mir eine Stunde Sport oder Massage gönne obwohl mein Haushalt definitiv nach Aufmerksamkeit schreit. Ich habe ein schlechtes Gewissen weil es mir ja eigentlich gut geht! Ich habe ein schlechtes Gewissen weil es mir oft nicht ganz so gut geht wie es vielleicht sollte. Ich habe ein schlechtes Gewissen weil mir Vieles zu viel ist obwohls doch alle anderen schaffen. Ich habe ein schlechtes Gewissen weil ich gerade NICHT hingebungsvoll auf meine innere Stimme lausche. Ich habe ein schlechtes Gewissen wenn ich nichts schreibe oder wenn ich zu viel schreibe aber eben nicht das was geschrieben werden muss. Ich habe…. Pause, Elena. Du hast gerade P.A.U.S.E!

Ach ja, stimmt ja… Und was fange ich nun damit an? Etwas verloren stehe ich im Flur, betrachte die verschiedenen Zimmer durch ihre offen stehenden Türen und versuche der Unruhe Herrin zu werden.
Viel zu oft betäube ich diese Unruhe mit Handyspielen oder Büchern oder blindem Aktionismus (z.B. das beliebte „Von-einer-Ecke-in-die-andere-Umräumen“) und fühle mich danach weder ausgeruht noch zufrieden.

 

“(…) Ich würd gern so vieles tun,

meine Liste ist so lang,

aber ich werd eh nie alles schaffen –

also fang ich gar nich´ erst an.

Stattdessen häng´ich planlos vorm Smartphone,

wart´bloß auf den nächsten Freitag.

N´ach, das mach´ ich später,

ist die Baseline meines Alltags.

(…) – Julia Engelmann

 

Offensichtlich habe ich verlernt Pause zu machen. Verlernt mir etwas von Herzen zu gönnen und es zu genießen. Und damit meine ich nicht suchtartige Einkaufstouren und Schokoladen-Berge, sondern Zeit – nur für mich.
Ich denke in meiner nächsten Pause meditiere ich mal wieder, vielleicht nur 5 Minuten. Ohne schlechtes Gewissen.

…..Danach kann ich ja von mir aus dann die Küche putzen. ;-p

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